in Publikumsschwund

Theaterstatistik Besuche / Veranstaltungen / Personal

Die Veröffentlichung der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins habe ich zum Anlass genommen, einige der Daten und Analysen aus meinem Buch „Publikumsschwund?“ (geschrieben 2023, erschienen 2024, letzte verfügbare Theaterstatistik bezog sich 2020/21) zu ergänzen. Zum Zeitpunkt der Niederschrift war die letzte vollständige Saison vor der Pandemie die Spielzeit 2018/19. Ich war natürlich neugierig, wie viele andere auch, wie sich nach Covid die Rückkehr der Theaterbesucher:innen auswirken würden (die bisher erschienen Auswertungen sind am Ende unter Quellen mit Links dokumentiert).

Mit der Statistik für 2023/24 kann man fast wieder von einer Normalisierung sprechen, leicht unterhalb des Niveaus von 2018/19, was aber einem allgemeinen langjährigen Trend bei den Besuchen entspricht.

In meinem Buch hatte ich mich auch mit der Zunahme der Veranstaltungen bei gleichbleibendem ständigen Personal auseinandergesetzt (Kapitel 3.7. ab S. 69).

Insgesamt verweist das Sinken der Besuchsquote nicht zwingend auf weniger Publikum, aber auf eine andere Verteilung. Die Anbieter müssen mehr und mehr Veranstaltungen anbieten und ihr Angebot ausdifferenzieren, um die gleiche Menge Besuche zu halten (Kapitel 3.7. ab S. 69).

Die anfallende Mehrarbeit wird zunehmend durch nicht-ständige Mitarbeiter:innen aufgefangen, der Aufbau ist beträchtlich, auch wenn die Zahlen nicht ganz vergleichbar sind. Die nicht-ständigen Mitarbeiter:innen sind keine dauerhaften Mitarbeiter:innen, sondern kommen als Abendgäste, mit Werk- oder Gastverträgen.

Auffällig ist natürlich der Sprung der Besuche in 1995/96. Dieser bildet die neuen Bundesländer ab, die ab 1991/92 in die Theaterstatistik integriert sind.

Die grauen Balken zeigen die Besuchszahlen, die graue Fläche und darüber die rote Linie zeigen die Personalwentwicklung und die grünen Punkte zeigen die durchschnittliche Anzahl der Besuche pro Veranstaltung, die graduell immer weniger geworden sind – die Feststellung hatte ich schon im Buch getroffen: mehr Personal, mehr Veranstaltungen, abnehmende Besuchszahlen. Diese Grafik beginnt bewusst mit der Spielzeit 1990/91, um die Entwicklung mit den neuen Bundesländern zu zeigen.

Theaterstatistik Personal, Besuche & Besuche/Veranstaltung seit 1990/91

© Rainer Glaap 2026

Die Daten (Personal/Veranstaltungen/Besuche/Besuche je VA) zur Grafik:

Quelle: Theaterstatistik /
Berechnungen: der Autor

Die Veränderungen seit 1990/91 (in der untersten Zeile in %) sind frappierend. Das ständige Personal ist um fast 50% gestiegen, die Beschäftigung nichtständigen Personsals hat sich mehr als vervierfacht. Die Zahl der Veranstaltungen ist um über 60% gestiegen. Die Besuche sind zwar knapp um 4% gestiegen, dabei wurden aber die 5 Mio mehr Besuche durch die Integration der neuen Bundesländer (in der Zahl für 1995/96 noch deutlich sichtbar) fast vollständig absorbiert.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Zahlen für die Bundesrepublik seit 1965/66. Die Anzahl Besuche/Veranstaltung kann pro Sparte nachvollzogen werden. Mit den Schaltern „Sparten an/aus“ können alle Sparten an- und abgeschaltet werden. Mit dem Schalter „Data Labels an/aus“ können die Zahlenwerte ein- und ausgeblendet werden.

Voreingestellt sind Oper und Schauspiel. Bei der Oper ist die Zahl der Besuche pro Veranstaltung auf 67% der Ausgangszahl gesunken, beim Schauspiel mit 41% auf weniger als die Hälfte. Opernhäuser bieten in der Regel mehr Plätze als Schauspielhäuser, daher ist die Ausgangsbasis hier eine andere.

Theaterstatistik Besuche/Veranstaltung nach Sparten seit 1965/66

Wähle Sparten:

(c) Rainer Glaap, 2026

Mit zunehmender Genesung der Theater nach Covid nimmt die Anzahl der Besuche pro Veranstaltung wieder leicht zu. Man darf gespannt sein, welche Erkenntnisse die Theaterstatistik 2024/25 im nächsten Jahr vermitteln wird.

Die kompletten Daten pro Sparte in einer Tabelle inkl. der Abweichung in % von der jeweils ersten angegebenen Spielzeit:

Besuche/Veranstaltung je Sparte /
Berechnungen: der Autor

Warum die Auslastungszahlen in % nicht der beste Maßstab sind, habe ich in diesem Blogbeitrag erläutert.

Die beiden interaktiven Grafiken wurden mit Hilfe der GEMINI KI von Google erstellt.

Quellen

Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins
Glaap, Rainer: Publikumsschwund? Ein Blick in die Theaterstatistik seit 1949, Springer, 2024
DATEN-THEATER – Themenheft zur Theaterstatistik

Interaktive Online-Grafiken zur Theaterstatistik bis 2023/24

Theaterstatistik BRD

Theaterstatistik AT


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Kommentar verfassen

  1. Vielen Dank für die Visualisierungen!

    Was war denn bei den Konzerten der Theaterorchestern zwischen 1990 und 1995 los? Das ist ja fast eine Halbierung. Spielt da die Wiedervereinigung auch mit rein?