
In vielen Presseberichten werden Auslastungszahlen als Erfolgsmeldungen genannt. In meinem Buch Publikumsschwund habe ich dem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet: Auslastung wird in % der verfügbaren Plätze gemessen. Man unterscheidet zwischen baulichen Kapazitäten (wie viele Plätze sind physisch vorhanden) und Besuchs-Kapazitäten (wie viele Plätze werden im Verkauf angeboten).
Aber: Wie viele Plätze sind verfügbar? Gründe für Sperren gibt es viele:
- Technische Gründe: Sichtbehinderungen durch Kameras, Tonpulte oder Scheinwerfertürme.
- Inszenatorischen Gründe: Regiekonzepte, bei denen beispielsweise der Chor im 2. Rang agiert.
- Dispositionelle Sperrung: Bei ungewissem Verkaufserfolg werden Ränge vorab gesperrt, um das Publikum im Parkett zu konzentrieren (und Personal für die Einlasskontrolle in den oberen Etagen zu sparen). Erst bei hoher Nachfrage werden diese Kontingente geöffnet.
Der Key Performance Indicator Auslastung ist daher nicht besonders belastbar.
Weil sich diese mathematische Kosmetik oft schwer vorstellen lässt, habe ich einen Auslastungssimulator erstellt. Er zeigt für ein Theater mit 1.000 Plätzen (Parkett: 500, Rang 1: 300, Rang 2: 200), wie sich die Prozentzahl durch Sperrungen massiv nach oben treiben lässt – bei völlig identischer Zuschauerzahl.
Theater: Auslastungs-Simulation
Verfügbare Kontingente:
Logik: Sobald Ränge gesperrt werden, verringert sich das Verkaufslimit. Man kann nicht mehr Tickets verkaufen, als Plätze „offen“ sind.
Man kann die Anzahl der verkauften Tickets per Schieberegler verändern und wahlweise Rang 1 und/oder Rang 2 sperren.
Ein gut gefülltes Parkett ist für alle Beteiligten – Künstler wie Publikum – ein schöneres Erlebnis als dünn besiedelte Ränge. Doch was atmosphärisch sinnvoll ist, wird statistisch oft zum Problem, wenn die gesperrten Plätze aus der Erfolgsrechnung verschwinden.
Quellen
Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins
Glaap, Rainer: Publikumsschwund? Ein Blick in die Theaterstatistik seit 1949, Springer, 2024
DATEN-THEATER – Themenheft zur Theaterstatistik
Interaktive Online-Grafiken zur Theaterstatistik bis 2023/24
Theaterstatistik BRD
- Besuchsdaten BRD / DDR
- Vertriebsarten (Tageskarten, Abos, Besucherorganisationen, Frei- und Gebührenkarten etc.)
- Besuche nach Sparten
- Betriebszuschuss pro Bundesland seit 2000/01
- Metropolregion Nordwest (Bremen, Oldenburg, Bremerhaven)
- Personal
- Auslastung (Simulationsrechner)
- Personal/Besuche/Veranstaltungen
- Orchester, Konzerte, Besuche
- Besuche seit 1991/92 nach Sparten, Bundesländern oder Ost/West
- Düsseldorf stoppt den geplanten Neubau der Oper
Theaterstatistik AT
- Besuche & Abweichungen in %
- Subventionen u. Betriebseinnahmen (inflationsbereinigt)
- Theaterstatistik Österreich im Podcast buehneneingang.at
- Theaterstatistik Österreich: beim zuständigen Minister und Vizekanzler Andreas Babler nachgefragt
- Special: Werkstattbericht Vibe Coding der interaktiven Grafiken
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