Entdecken Sie das Theaterlexikon: Kunst, Verwaltung und Technik des 19. Jahrhunderts

Das Theaterlexikon wurde 1841 veröffentlicht als

Theoretisch-practisches
Handbuch
für
Vorstände, Mitglieder und Freunde
des deutschen Theaters

Es hatte einen enzyklädischen Anspruch und behandelte umfassend fachspezifische Begriffe aus der Welt des Theaters und beleuchtet zahlreiche Aspekte der Theaterpraxis und -verwaltung des 19. Jahrhunderts. Geschrieben wurde es von zwei Autoren und Praktikern, Philip Jacob Düringer, Regisseur am Leipziger Theater und Heinrich Ludwig Barthels, Inspizient am gleichen Haus.

Hier das Titelblatt der Originalausgabe:

Die Einträge liefern theoretisch-praktische Anweisungen von der Kunst bis zur Technik und Verwaltung. Darunter finden sich detaillierte Beiträge zur Intendanz, zum Vertragswesen sowie zu den ökonomischen und administrativen Abläufe wie dem Kassenwesen und der Buchhaltung. Auch technische Aspekte zur Beleuchtung und zur Bühnenmaschinerie werden detailliert behandelt. Die Klage der Autoren über „corsarische Directionen“ klingt nur allzu aktuell…

Zum Einstieg in die Sammlung der ausgewählten Beiträge liefert das Buch einen kurzen Überblick in die Zeitgeschichte des Vormärz und bietet eine Einordnung der Themen an.

Für wen ist das Buch geschrieben?

Das Buch bietet Theaterwissenschaftlern, Dramaturgen und allen am Theater Interessierten ein profundes Zeugnis und eine historische Perspektive auf die Ursprünge moderner Bühnendebatten. Das Werk ist kein praktischer Leitfaden für die zeitgenössische Theaterleitung, sondern ein unverzichtbares Dokument zum Verständnis der Theaterwelt des Vormärz.

Insbesondere Bereiche im Theater, die nach außen eher unsichtbar operieren sind auch heute noch von Interesse:

  • Wie verhält sich die Verwaltung?
  • Auf was muss die Kasse achten?
  • Welches Problem stellen Freibillets dar?
  • Welche Verträge werden mit den Künstlern abgeschlossen?
  • Welche Gesundsheitsfürsorge gibt es?
  • Welche Altersvorsorge gibt es schon 1841?

Neben den fachlichen Informationen ist das Theaterlexikon aus heutiger Sicht auch in vielen Bereichen unterhaltsam. So manche Leser:innen haben sich vorab schon festgelesen.

Und: Das Theaterlexikon zeigt, dass viele Probleme quasi zeitlos sind – sie galten damals und sie gelten auch heute noch. Der Bühnenverein und die GDBA werden sie wiedererkennen. Die Texte sind also überraschend aktuell.

Viele der Beiträge machen auch Freude beim Lesen, ich empfehle dazu besonders das Kapitel über heute eher unbekannte Spezialbegriffe des Theaters, wie sie auch im Titel vorkommen.

Das sagen andere über das Buch

Rainer Glaap lässt mit dem Theaterlexikon von 1841 ein vergessenes Standardwerk neu aufleben, klug kommentiert, glänzend aufbereitet und verblüffend aktuell. Dieses Buch zeigt: Die großen Fragen des Theaters – Kunst, Macht, Publikum und Leidenschaft – sind heute so brisant wie damals. Unbedingt lesenswert für alle, die Theater als Herz, Spiegel und Leidenschaft unserer Zeit begreifen.

Thomas Schmidt-Ott, Kulturmanager u. Mitglied der Geschäftsführung und Künstlerischen Direktion der Theater am Kurfürstendamm GmbH, Berlin


Für den aufmerksamen Leser ist es auch eine Erinnerung daran, was sich nie geändert hat, was erreicht wurde, was wir gerade an Wertvollem zerstören und wie wir besser für die Zukunft denken können. Ich empfehle dieses wertvolle Buch für Kulturmanagement Studierende, Bibliotheken, für Menschen, die sich mit der Entwicklung von Kulturpolitik beschäftigen, für Menschen in der Kunst, die eine Perspektive auf ihre aktuelle Arbeit suchen – und für alle, die gute Unterhaltung genießen.

Magnus Still, Gründer und CEO von StillArt


Sehr interessant und spannend, wie sich die Theater mühsam einen Weg gegen Obrigkeit und Zensur bahnen mussten.

Bernhard Docke, Rechtsanwalt, Bremen


Das Buch ist sehr empfehlenswert und lehrreich. […] Gehört in die Hausapotheke eines jeden Theaters!

Manfred Weber, Autor, Dramaturg, ehem. Intendant


Theaterlexikon live auf der Bühne

Im Theatermuseum Düsseldorf gab es am 21.3.2026 eine Lesung aus dem Theaterlexikon.

Regie: Manfred Weber,

Person A: Claudia Hübbecker (Ensemble-Mitglied Schauspielhaus Düsseldorf)
Person B: Flavia Berner (Ensemble-Mitglied Schauspielhaus Düsseldorf)

Clauda Hübbecker, Rainer Glaap, Flavia Berner
Foto: Florian Lange (https://lauflos.online)

In der Rheinischen Post schrieb Regina Goldlücke über den Abend:


„Jetzt liegt mit „Coulissen, Claqueure und Censoren“ ein so amüsanter wie lehrreicher Streifzug vor, der die Gepflogenheiten und Regeln an Schauspielbühnen vor bald 200 Jahren beleuchtet.

Charmant und erfrischend stellten Claudia Hübbecker und Flavia Berner vom Schauspielhaus das Buch im Theatermuseum vor. Nach einer Einführung von Rainer Glaap pickten sie zum Vergnügen der Zuhörer markante Stellen heraus. […]

Die Vermerke über Theaterdirektoren erscheinen zeitlos: „Er muss ein Monarch sein, aber kein Tyrann, muss leidenschaftliche, eigensinnige, oft selbstsüchtige Menschen bei der Stange halten, gerecht, klug, geachtet und frei von Tadelsucht sein. […]

„Rainer Glaap ging in seiner Abhandlung nicht alphabetisch vor. Er sortierte sie nach Themen, konzentrierte sich auf Frauen, Gesundheit, Temperamente, die Bühne und die Technik. Seine Erkenntnis gilt bis heute: „Die Menschen, die uns die Kunst bringen, haben die schlechtesten Arbeitsbedingungen – die Schauspieler.“

Quelle: https://rp-online.de/kultur/theaterlexikon-von-1841-buchvorstellung-im-theatermuseum-duesseldorf_aid-145681169 (Paywall)


Auszüge aus dem Buch

Warum ist ein Theater-Lexikon von 1841 heute noch interessant?

Dieses Theaterlexikon von 1841 behandelt zahlreiche Aspekte des Theaterwesens, von der Organisation und Verwaltung bis hin zu szenischen und technischen Details. Es listet alphabetisch Stichworte wie „Proben,“ „Rolle,“ und „Garderobier“ auf und diskutiert dabei praktische Fragen der Aufführungspraxis, wie etwa die Beleuchtung (Gaslicht, Blitz), die Maschinerie (Flugwerk, Versenkungen) und das Kostümwesen (Schminken, Federn, Farbenwahl). Darüber hinaus beleuchtet der Text künstlerische und ästhetische Betrachtungen, beispielsweise die Rolle des Schauspielers als „Menschendarsteller,“ die Wichtigkeit von Kritik und Publikum sowie Überlegungen zum „Verfall des Theaters“ in verschiedenen Bereichen. Abschließend werden auch finanzielle und administrative Abläufe einer Theaterdirektion, wie Kassenwesen, Buchhaltung und Engagements, detailliert erörtert. Neben den fachlichen Informationen ist es aus heutiger Sicht auch in vielen Bereichen unterhaltsam. Und es zeigt, dass viele Probleme quasi zeitlos sind – sie galten damals und sie gelten auch heute noch. Die Texte sind also überraschend aktuell.

Ungewöhnliche Theaterbegriffe aus der Welt der Darsteller und der Bühne

  • Bellerophonsflug: technische Apparatur für einen kreisförmigen Flug von Schauspielern über der Bühne.
  • Bettelbrief: So nennt man eine schmeichelhafte, an das Publikum gerichtete Rede oder ein Lied am Ende eines Stückes, um Beifall zu bitten – eine als „schlechter Coup“ bezeichnete Sitte.
  • Coulissenreißer: Dies ist ein sehr ausdrucksstarker Begriff für einen schlechten, effekthascherischen Schauspieler. Das Lexikon beschreibt ihn als jemanden, der „nach dem Beifall des großen, oder besser rohen Haufens hascht, und dessen Mittel dazu in übermäßigem Schreien und tollem Rasen mit Händen und Füßen besteht, so daß man, um den höchsten Grad zu bezeichnen, sagt: er reißt Coulissen mit fort“.
  • Extemporiren: Dieses Wort bedeutet ohne Vorbereitung aus dem Stegreif zu reden oder zu improvisieren. Im Theaterkontext war es sowohl eine Fähigkeit, um Pausen oder Fehler der Mitspielenden zu überbrücken, als auch eine Quelle für „abgeschmackte Gedanken“ oder „elende, niedrige Schwänke“.

Kartenverkauf: Die Freikarte als „zehrender Wurm jeder Direktion“

Die Casse und die finanzielle Führung eines Theaters gelten als heikles Unterfangen, das von Redlichkeit und genauer Aufsicht abhänge. Die Autoren empfehlen dringend eine ordnungsgemäße Buchführung, idealerweise die doppelte (italienische) Buchhaltung. Viele Direktoren kleinerer Bühnen vernachlässigten dies, was oft zu ungeordneter Wirtschaftsführung, Zahlungsunfähigkeit und letztlich zum Ruin der Unternehmung führe. Die Verfasser warnen ausdrücklich davor, dass der Direktor selbst oder ein Familienmitglied die Kasse führe, da dies zu geheimer Kassenverkürzung und Verschwendung führen könne. Ein besonders kritisierter Punkt ist die damals grassierende Vergabe von Freikarten (s. auch hier), die als „zehrender Wurm“ jeder Direktion bezeichnet wird. Die Praxis, Beamte mit Freikarten zu versorgen oder Dienstleistungen damit zu bezahlen, gilt als Zeichen einer schlechten wirtschaftlichen Lage und sei für die Kasse äußerst schädlich. Das Abonnement sei ein zweischneidiges Schwert.

Denkende Schauspieler

Sprachgebräuchlicher Ausdruck, aber einer der unsinnigsten Pleonasmen; wer nicht denken kann, kann auch kein Schauspieler sein (s. Schauspieler).

Schauspieler

Schauspielkunst. Die Bezeichnung unserer hohen, schönen Kunst, sowie dessen, der sie übt, liegt keineswegs in diesen Worten, ebensowenig in dem französischen Worte Acteur (Actrice), weshalb auch Iffland die Benennungen Menschendarsteller und Menschendarstellung dafür vorschlug, welche zwar vielseitig gebraucht, doch nicht allgemein angenommen worden, und so muß denn, bis ohne Verzierung oder Ziererei ein anderes Wort gefunden u. angenommen wird, welches die Kunst besser bezeichnet, das bisher gebrauchte auch ferner gelten[1]. – Schauspielkunst ist die Kunst, ein dramatisch – theatralisches Werk durch persönliche Darstellung zu veranschaulichen, die Aufgabe für den Schauspieler (Schauspielkünstler) ist daher, diese Veranschaulichung bis zum höchstmöglich gesteigerten Grade der Täuschung für die Zuschauer auf eine Weise zu bewirken, daß nach der Intention des Dichters die Charactere der nicht blos vor -, sondern als wirklich darzustellenden Personen naturgetreu, jedoch nach den Gesetzen des Schönen, erscheinen. Die Vorstellung des Menschen betrifft mehr dessen Aeußeres, bedarf etwas Schellengeklingels, – ist beinahe nur Manier, kann durch conventionelle Regeln geübt und erlernt werden, mithin ist sie dem Handwerk zu zugesellen. – Die Darstellung betrifft das Innere desselben, den Gang der Leidenschaften, die hohe, einfache, starke Wahrheit im Ausdruck, – die lebendige Hingebung der Uebergänge, welche in der Seele wechseln, u. allmälig zum Ziele führen; – das ist Kunst – eine Sache (kein Spiel und darf also auch nicht so genannt werden). [1] Die Worte Schauspieler u. Schauspielkunst haben von jeher Nebenbegriffe veranlaßt, welche die Sache selbst undeutlich machen mußten, ihr den Antheil erschwert, ja sogar in früherer Zeit die Nichtachtung zugezogen haben. Der Schauspieler thut etwas zur öffentlichen Schau ! Die ernsten Deutschen, förmlich u. methodisch, konnten es gar nicht fassen, wie Jemand sich dazu hergeben könne, öffentlich zur Schalt für baare Bezahlung ein Anderer, etwas ganz Entgegengesetztes, ein anderer Mensch mit fremder Kleidung, sogar mit gemalten Gesichtern, zu sein, und man entsetzte sich über den Mißbrauch des Gottähnlichen Menschenbildes, u. man faltete, sich verwahrend, die Hände, wenn ein solcher, allen Schein hintansetzender, Mitmensch auf offener Promenade oder gar an gottgeweihter Stätte dem betitelten Amtverweser begegnete. Das Händefalten hat zwar nun aufgehört, u. es gehört im Gegentheile zum guten Ton, über Schauspiel= Gegenstände u. mit Schauspielern, besonders in Gesellschaft, sich zu unterhalten. Aber Spielen – zur Schau spielen! Es liegt so etwas darin; weshalb manche Leute immer noch glauben, erst einen Zulauf nehmen zu müssen, wenn sie aus Neugierde oder, um modern zu sein, mit den Schauspielern ebenso unbefangen, wie mit Anderen, reden. Der Haufe in allen Ständen denkt sich dabei nichts Anderes, als Lustigmacher, concessionirte anerkannte Scherztreiber.

Die Frau in der Temperamentenlehre – Die Melancholikerin

Die Melancholikerin ist immer reinlich, in nicht schreienden Farben gekleidet; aber sie liebt die Reinlichkeit pedantisch, sowie die Ordnung u. Sparsamkeit. Ihr Gang ist gelassen, u. erhaben ihr Blick. Sie ist im Stillen andächtig und liest gern u. ernsthafte Bücher, aber sie spricht sehr wenig, und wird in keinem Zirkel glänzen; doch hört u. beobachtet sie Alles genau, und behält es bedächtig für sich; sie ist sehr zur Freundschaft gestimmt. Sie handelt und wirkt, ohne Aufsehen zu erregen, im Stillen, doch langsam fort. Sie liebt grenzenlos, ohne es zeigen. u. braust in der Eifersucht nicht auf, sondern sie leidet im Stillen, ohne zu weinen und zu klagen, bis sie der Harm tödtet. Sie vergibt Beleidigungen, ohne sich zu rächen, aber vergessen wird sie sie selten. Rosen streut sie freilich auf die Wege ihres Gatten durch ihre nur scheinbare kalte Gegenliebe nicht, aber sie reicht ihm auch keine Dornen, und ist, stets ruhig denkend u. gelassen handelnd eine vortreffliche Mutter u. zur Erziehung der Kinder geeignet, die sie nie durch übertriebene Liebkosungen, verdirbt.



Bezugsquellen

Das Buch ist im Selbstverlag erschienen und ab sofort erhältlich direkt beim Verlag, im Buchhandel und in den bekannten Online-Shops. Der Autorenanteil ist am höchsten bei Bestellungen direkt beim Verlag unter diesem Link:

Coulissen, Claqueure und Censoren – Das Theaterlexikon von 1841 neu gelesen

SoftcoverISBN 978-3-384-72356-7€24,99
eBook ISBN 978-3-384-72357-4€9,99

Presseanfragen zu Rezensionsexemplaren bitte an rainer(a)glaap.de.

Über Rückmeldungen per E-Mail und/oder Kommentare auf den bekannten Buchportalen freue ich.