
Bild: Christian A. Schröder (ChristianSchd), CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia CommonsWikimedia
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister hat vor einigen Tagen mit großem Presseecho verkündet, dass die Planungen für einen Neubau der Oper in Düsseldorf gestoppt werden. Die Baukosten liegen Schätzungen zufolge bei über einer Milliarde Euro.
Die Deutsche Oper am Rhein (eine gGmbH) trägt sich im Wesentlichen durch die Zuschüsse der beiden Städte sowie zu einem kleineren Teil durch eigene Einnahmen und eine Förderung des Landes NRW. Die DOR ist seit 1955 eine Kooperation der beiden Städte Düsseldorf und Duisburg. Die Kooperation wurde 2025 verlängert bis zur Spielzeit 2034/35.
Die Städte Düsseldorf und Duisburg teilen sich die Kosten der Theatergemeinschaft. Die prozentuale Kostenverteilung spiegelt das Verhältnis der vertraglich festgelegten Vorstellungen pro Spielzeit (180 in Düsseldorf zu 78 in Duisburg) wider:
- Landeshauptstadt Düsseldorf: 70 %
- Stadt Duisburg: 30 %
Die beiden Städte liegen lt. Google Maps 28,4 km voneinander entfernt.
Die Ausgaben für den Unterhalt der jeweiligen Theatergebäude (Opernhaus Düsseldorf und Theater Duisburg) sowie die Bereitstellung der Orchester tragen die beiden Städte jeweils selbst.
Duisburg und Düsseldorf haben jeweils ein eigenes, eigenständiges Orchester.
Bei den Opern- und Ballettvorstellungen teilen sich die Orchester die Aufgaben auf:
- In Düsseldorf spielen die Düsseldorfer Symphoniker (das Staatsorchester der Landeshauptstadt).
- In Duisburg spielen die Duisburger Philharmoniker.
Sowohl die Düsseldorfer Symphoniker als auch die Duisburger Philharmoniker sind nach dem TVK-Tarifvertrag als A-Orchester eingestuft.
Düsseldorf profitiert von einer hervorragenden städtischen Finanzierung, wodurch das Gehalt der Musiker leicht über dem Duisburger Niveau liegt, welches sich im bundesweiten Durchschnitt bewegt.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der personellen Stärke der beiden Klangkörper: Mit rund 130 Mitgliedern gehören die Düsseldorfer Symphoniker zu den größten Orchestern Deutschlands und können selbst die großen spätromantischen Werke ohne viele Aushilfen besetzen.
Die Duisburger Philharmoniker sind mit 90 bis 95 Mitgliedern kompakter aufgestellt und greifen bei groß besetzten Werken regelmäßig auf Kooperationen oder Gäste zurück.
Das bedeutet für Opernproduktionen: Wenn eine Produktion der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf aufgeführt wird, sitzt das Düsseldorfer Orchester im Graben. Wandert dieselbe Produktion für eine Vorstellung nach Duisburg, übernehmen dort die Duisburger Philharmoniker die musikalische Begleitung. Die Sängerinnen und Sänger, der Chor und die Inszenierung bleiben gleich, aber das Orchester wechselt je nach Spielort. Der Probenaufwand zumindest für Sänger und Chor mit den Orchestern erhöht sich damit stark.
Die Besuchszahlen der Deutschen Oper am Rhein
Für die Untersuchung wurden die Sparten Oper, Ballett/Tanz, Operette und Musical betrachtet. Die Aufteilung der Zahlen in der Theaterstatistik ist etwas herausfordernd, 1975/76 werden z.B. Oper und Tanz in einer Zahl zusammengefasst, für 1995 meldet Duisburg nur eine Zahl für alle Sparten, die in der Spalte der Oper hinterlegt wird. Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich daher eine Verteilung angenommen, die in etwa dem Durchschnitt der Verteilungen entspricht.
Hinweis: Die erste dargestellte Spielzeit ist, wie so oft in meinen Untersuchungen, die Spielzeit 1966/67. Für 1965/66 liegen die Besuchszahlen nur als Prozentsätze der Gesamtzahl vor. Das führt zu Ungenauigkeiten.
Die interaktive Grafik erlaubt einen detaillierten Blick auf die Zahlen. Default ist die Gesamtzahl aller Besuche in beiden Städten. Durch die Checkboxen können dann die beiden Städte einzeln mit den ausgewählten Sparten angezeigt werden.
Die Besuchsentwicklung ist entsprechend dem Trend in der gesamten BRD im wesentlichen rückläufig. Die Spielzeit 2023/24 lag insgesamt leicht über der letzten vorpandemischen vollen Spielzeit 2018/19, ereicht aber nicht mehr die Zahlen wie in 2010/11.
Interaktive Grafik: Besuche der Deutschen Oper am Rhein (Düsseldorf / Duisburg) nach Städten und Sparten
Deutsche Oper am Rhein: Besuche
Musiktheater Düsseldorf & Duisburg: Oper, Tanz, Operette, Musical
Spielzeit 1966/67 bis 2023/24
Deutsche Oper am Rhein: Abweichungen in % zu 1966/67
Die Zahlen sprechen für sich: Der Rückgang der Besuchszahlen seit 1966/67 ist sehr deutlich, allerdings seit vielen Jahren absehbar (die Zahlen beziehen sich allein auf die Sparte Oper):
- Oper Düsseldorf: -67,0%
- Oper Duisburg: -80,4,5%
Hier noch einmal zur Verdeutlichung nur die Besuchszahlen für Düsseldorf und die Sparte Oper. Die aktuellen Zahlen der Spielzeit 2023/24 entsprechen ziemlich genau der Besuchszahl 2010/11, nämlich ca. 100.000 Besuche. Wenn der Oberbürgermeister in seiner Begründung für den Stopp der Planung des Neubaus auch die Besuchszahlen anführt, kann das nur ein kleiner Teil der Begründung sein, denn die Besuchszahlen haben sich in den letzten 15 Jahren nicht wesentlich verändert.

Quelle: Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins.
Auslastung & Betriebszuschuss
Der Bühnenverein veröffentlicht ja neben den Besuchszahlen viele weitere Daten, darunter die Auslastung pro Sparte und den Betriebszuschuss für die Kultureinrichtung und pro Platz.

Der Betriebszuschuss pro Besuch in Euro wird ebenfalls angegeben, aber nur für beide Städte zusammen in der Zeile „Deutsche Oper am Rhein“. Er beträgt lt. Theaterstatistik insgesamt 50,243 Mio Euro oder pro Besuch 234 Euro. Der Zuschuss der Stadt Duisburg scheint festgelegt zu sein auf 9, 545 Mio Euro.

Zwei Gedankenspiele: So sähe die prozentuale Aufteilung des Betriebszuschuss aus bei einer Verteilung nach a) Einwohnerzahl oder b) nach Anzahl der Besuche.

Fazit
Ob die Entscheidung gegen den Neubau richtig war oder nicht, müssen andere entscheiden. In Zeiten knapper Haushalte, fehlender Mittel für Bildung und Infrastrukturprojekte ist das aber wahrscheinlich eine vernünftige Entscheidung.
Möglicherweise braucht es auch einfach andere Konzepte für Multifunktionsgebäude, die auch einen Opernbetrieb abbilden können (und ja, ich weiß, in dem neuen Gebäude hätten auch eine Bibliothek und eine Musikschule ihr Zuhause finden sollen).
Hinweise:
- Die interaktive Grafik wurde, wie immer bei mir, mit Hilfe von KI hergestellt, in diesem Fall mit einer Mischung von Gemini und Claude (Wechsel auf die jeweils andere KI, wenn die Ergebnisse immer wieder mal nachliessen).
- Fehler bei der Übertragung der Daten oder bei den Berechnungen sind nicht auszuschließen. Für die Richtigkeit übernehme ich keine Gewähr.
Quellen für diesen Beitrag
Deutsche Oper am Rhein, Website
Deutsche Oper am Rhein, Wikipedia
Düsseldorfer Symphoniker, Website
Duisburger Symphoniker, Website
„So viele Millionen hat das Opern-Projekt gekostet„, Rheinische Post, 14.6.2026
Die Zahlen für Selbstrechner
| Spielzeit | Stadt | Oper | Operette | Musical | Ballett | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1966/67 | Düsseldorf | 311.079 | – | – | 37.908 | 348.987 |
| 1966/67 | Duisburg | 139.038 | – | – | – | 139.038 |
| 1970/71 | Düsseldorf | 299.864 | – | – | 65.674 | 365.538 |
| 1970/71 | Duisburg | 102.965 | 19.130 | – | 12.899 | 134.994 |
| 1975/76 | Düsseldorf | 274.886 | – | – | 62.397 | 337.283 |
| 1975/76 | Duisburg | 94.417 | 14.520 | – | 21.432 | 130.369 |
| 1980/81 | Düsseldorf | 300.412 | – | – | 62.412 | 362.824 |
| 1980/81 | Duisburg | 122.979 | 22.926 | – | – | 122.979 |
| 1985/86 | Düsseldorf | 305.328 | – | – | 51.876 | 357.204 |
| 1985/86 | Duisburg | 121.012 | – | – | 36.361 | 157.373 |
| 1990/91 | Düsseldorf | 220.464 | – | 44.967 | 66.475 | 331.906 |
| 1990/91 | Duisburg | 96.268 | – | 21.548 | 40.654 | 158.470 |
| 1995/96 | Düsseldorf | 156.533 | 26.638 | 11.273 | 49.733 | 244.177 |
| 1995/96 | Duisburg | 87.086 | – | – | 29.029 | 116.114 |
| 2000/01 | Düsseldorf | 146.660 | 12.666 | 14.719 | 57.660 | 231.705 |
| 2000/01 | Duisburg | 83.330 | – | 2.041 | 20.806 | 106.177 |
| 2005/06 | Düsseldorf | 114.167 | 4.794 | 9.350 | 46.379 | 174.690 |
| 2005/06 | Duisburg | 60.380 | – | – | 25.172 | 85.552 |
| 2010/11 | Düsseldorf | 101.707 | 10.389 | – | 45.023 | 157.119 |
| 2010/11 | Duisburg | 44.669 | 1.936 | – | 12.428 | 59.033 |
| 2015/16 | Düsseldorf | 107.556 | 12.051 | – | 28.624 | 148.231 |
| 2015/16 | Duisburg | 38.915 | 1.307 | – | 9.825 | 50.047 |
| 2018/19 | Düsseldorf | 112.289 | – | – | 28.856 | 141.145 |
| 2018/19 | Duisburg | 24.875 | 5.901 | – | 15.480 | 46.256 |
| 2023/24 | Düsseldorf | 102.713 | 7.430 | – | 42.717 | 152.860 |
| 2023/24 | Duisburg | 27.220 | 8.527 | – | 12.650 | 48.397 |
Quellen
Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins
Glaap, Rainer: Publikumsschwund? Ein Blick in die Theaterstatistik seit 1949, Springer, 2024
DATEN-THEATER - Themenheft zur Theaterstatistik
Interaktive Online-Grafiken zur Theaterstatistik bis 2023/24
Theaterstatistik BRD
- Besuchsdaten BRD / DDR
- Vertriebsarten (Tageskarten, Abos, Besucherorganisationen, Frei- und Gebührenkarten etc.)
- Besuche nach Sparten
- Betriebszuschuss pro Bundesland seit 2000/01
- Metropolregion Nordwest (Bremen, Oldenburg, Bremerhaven)
- Personal
- Auslastung (Simulationsrechner)
- Personal/Besuche/Veranstaltungen
- Orchester, Konzerte, Besuche
- Besuche seit 1991/92 nach Sparten, Bundesländern oder Ost/West
- Düsseldorf stoppt den geplanten Neubau der Oper
Theaterstatistik AT
- Besuche & Abweichungen in %
- Subventionen u. Betriebseinnahmen (inflationsbereinigt)
- Theaterstatistik Österreich im Podcast buehneneingang.at
- Theaterstatistik Österreich: beim zuständigen Minister und Vizekanzler Andreas Babler nachgefragt
- Special: Werkstattbericht Vibe Coding der interaktiven Grafiken
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