
Das Live-Entertainment erlebt nach der Pandemie einen beispiellosen Boom, steht aber gleichzeitig vor großen Herausforderungen: Hohe Ticketpreise, die Kritik an Marktmonopolen und verändertes Konsumverhalten prägen die Branche.
In seinem diesjährigen umfassenden Sommer-Interview spricht Klaus-Peter Schulenberg, Chef des europäischen Ticket- und Konzertgiganten CTS Eventim, über die Zukunft der Live-Kultur, die Dynamik der Ticketpreise und die Strategie des Unternehmens.
1. Die Sonderstellung der Superstars
Der zentrale Befund des Eventim-Chefs: Die Nachfrage nach Live-Events ist nach wie vor extrem hoch, verlagert sich jedoch stark. Während Top-Stars wie Taylor Swift, Coldplay oder Bruce Springsteen Stadion nach Stadion mühelos füllen, haben es kleinere und mittlere Künstler spürbar schwerer. Siehe dazu auch weitere Blogbeiträge, die sich mit ähnlichen Themen befassen (hier zu vermehrten Konzertabsagen und hier zur fehlenden Regulierung des Zweitmarkts).
Schulenberg betont, dass die „absoluten Superstars“ immer erfolgreich sein werden. Ein Live-Konzert dieser Kategorie gilt für viele Fans nicht mehr bloß als musikalischer Auftritt, sondern als einmaliges Gemeinschaftserlebnis und Status-Event. Für solche Highlights sind Fans bereit, erhebliche Summen auszugeben.
2. Warum Ticketpreise so stark gestiegen sind
Die Debatte über gestiegene Eintrittspreise weist Schulenberg keineswegs von der Hand, ordnet die Ursachen jedoch differenziert ein:
- Gestiegene Logistik- und Personalkosten: Nach der Pandemie und im Zuge der Inflation sind die Kosten für Tournee-Infrastruktur (Bühnenbau, Personal, Transport, Energie, Hallenmieten) drastisch gestiegen.
- Der Künstler bestimmt den Preis: Eventim betont regelmäßig seine Rolle als Dienstleister. Die Ticketpreise werden in erster Linie von den Künstlern, deren Managements und den Tourneeveranstaltern festgelegt – nicht vom Ticketvertrieb.
- Ertragskraft verlagert sich: Da Musiker durch Streaming-Plattformen heute kaum noch substanzielle Einnahmen aus Tonträgerverkäufen erzielen, ist die Live-Tournee zur primären Haupteinnahmequelle geworden.
3. Dynamic Pricing: Marktpreis oder Kundentäuschung?
Ein besonders kontroverses Thema ist das sogenannte Dynamic Pricing (dynamische Preisgestaltung), bei dem Ticketpreise je nach aktueller Nachfrage in Echtzeit steigen.
Schulenberg verteidigt das Modell aus ökonomischer Sicht:
- Abschöpfung des Schwarzmarkts: Wenn ein Ticket offiziell für 100 Euro verkauft wird, auf Resell-Plattformen aber für 500 Euro den Besitzer wechselt, profitieren nur Zweitmarkthändler und Botanbieter. Dynamische Preise sorgen dafür, dass dieser Mehrwert beim Künstler und Veranstalter verbleibt.
- Transparenz und Wahlfreiheit: Solange die Bedingungen klar kommuniziert werden, spiegelt der Preis schlicht die tatsächliche Marktnachfrage wider.
4. Die Herausforderungen der kleineren Acts
Während Großkonzerte Rekorde brechen, schlägt der Markt für den Nachwuchs und die Nische Alarm. Steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass Konsumenten ihr Budget priorisieren: Man leistet sich ein oder zwei teure Großevents im Jahr, spart dafür aber bei kleineren Clubkonzerten.
Schulenberg räumt ein, dass dies ein Risiko für die musikalische Vielfalt darstellt. Dennoch sieht er auch die Veranstalter in der Pflicht, neue, flexible Modelle zu entwickeln, um kleinere Locations attraktiv und bezahlbar zu halten.
5. Kritik an der Marktstellung von Eventim
CTS Eventim steht in Deutschland und Europa immer wieder wegen seiner dominanten Marktposition in der Kritik. Verbraucherschützer und Wettbewerbsbehörden beobachten das Zusammenspiel aus Ticketplattform, eigener Veranstaltersparte und exklusiven Vorverkaufsrechten kritisch.
Schulenberg weist Monopolvorwürfe zurück. Die Ticketbranche sei hochkompetitiv, und Großveranstalter stünden international im harten Wettbewerb mit US-Giganten wie Ticketmaster (Live Nation). CTS Eventim investiere kontinuierlich in IT-Infrastruktur, IT-Sicherheit und den Schutz vor Ticket-Bots, was immense Skaleneffekte erfordere.
6. Ausblick: Die Zukunft des Live-Geschäfts
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten blickt Eventim optimistisch in die Zukunft. Das menschliche Bedürfnis nach echten, analogen Live-Erlebnissen lässt sich durch digitale Formate oder KIs nicht ersetzen. Die Internationalisierung – insbesondere der Ausbau von Aktivitäten in Nordamerika und Asien – bleibt ein zentraler Wachstumstreiber für das Unternehmen.
Fazit
Das Interview macht deutlich, dass die Live-Branche vor einer klaren Zweiteilung steht: Ein hochprofitabler Superstar-Markt, der fast immune Preise durchsetzen kann, trifft auf einen unter Druck stehenden Mittelbau. Für Fans bedeutet das: Exklusive Großevents bleiben ein teures Vergnügen, während die Förderung lokaler Live-Kultur wichtiger wird denn je.
Disclaimer: Dieser Text wurde mit Hilfe einer KI optimiert.
Quellen
Fischer, Benjamin, „Die absoluten Superstars werden immer erfolgreich sein“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.7.2026 [Paywall]
EVENTIM, Corporate Website
Entdecke mehr von Publikumsschwund
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Kommentar verfassen