Eine der Reaktionen auf die Analyse der Besuchszahlen der Münchner Kammerspiele war eine Nachfrage auf LinkedIn nach einer Analyse der Besuchs- UND Veranstaltungszahlen.
Zur Erinnerung eine der Grafiken mit Besuchszahlen aus meinem Originalbeitrag zu den Münchner Kammerspielen. In dieser Übersicht sind alle Sparten erfasst inkl. Musical (in dieser Übersicht gibt es nur einmal Angaben zu Musical-Besuchen, in 1998/99) und „Auswärtigen Gastspielen“.

Quelle bis 2023/24: Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins,
danach aus der Presseberichterstattung ohne Spartenangaben
Ich habe diese Anregung aufgenommen, bin daher noch einmal zurück in die Theaterstatistik gegangen und habe die Veranstaltungszahlen ebenfalls erfasst. Die beiden Hauptsparten, in denen Besuche und Veranstaltungen stattgefunden haben, sind Schauspiel und Sonstige Veranstaltungen. Damit ist die überwiegende Zahl der Veranstaltungen z. B. in der Spielzeit 2023/24 erfasst.
Auffällig: Es werden keine Veranstaltungen für das „theaternahe Rahmenprogramm“ (*1) gezeigt. Möglicherweise würden andere Häuser einen Teil der Sonstigen Veranstaltungen dem „theaternahen Rahmenprogramm“ zugeschlagen – letzteres wird bei den Besuchszahlen in der Theaterstatistik nur „nachrichtlich“ angezeigt und NICHT mit den anderen Sparten summiert.

Auszug aus der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins 2023/24
Die folgende Grafik zeigt die Besuchszahlen als Balken, blau für Schauspiel und orange für Sonstige. Die rote Linie zeigt die Anzahl der Besuche je Veranstaltung im Schauspiel, die hellblaue Linie zeigt die Anzahl der Besuche je „Sonstige Veranstaltungen“.

dazu die Quoten je Veranstaltung
[Die Kürzel stehen für die Intendanzen:
DD (Dieter Dorn), FB (Frank Baumbauer), JS (Johan Simons),
ML (Matthias Lilienthal) und BM (Barbara Mundel)]
Der Einbruch in der Spielzeit 2000/01 ist einer längerfristigen Renovierung und der Nutzung von Ausweichspielstätten geschuldet.
Klar erkennbar ist, dass die Anzahl der Besuche je Veranstaltung im Schauspiel gesunken ist von 395 Besuchen/Veranstaltung 1998/99 auf 215 Besuche je Veranstaltung in 2023/24 (-46%). Ein deutlicher Rückgang von 218 auf 88 Besuche je Veranstaltung (-60%) ist auch bei den Sonstigen Veranstaltungen zu erkennen.
Die nächste Grafik zeigt die Entwicklung der Zahl der Veranstaltungen in den Sparten Schauspiel und Sonstige VA, ebenfalls in Verbindung mit den Besuchen je Veranstaltung. Die gelben Balken zeigen die Zahl der Veranstaltungen im Schauspiel, die grünen Balken die Zahl der Veranstaltungen in der Sparte Sonstige VA. Der leichte Aufwärtstrend ab 2022/23 erklärt sich durch die allgemeine Erholung der Besuchszahlen nach Corona.

dazu die Quoten je Veranstaltung in Schauspiel und Sonstige.
Sehr auffällig ist, dass die Zahl der Sonstigen Veranstaltungen stetig gestiegen ist und 2023/24 fast pari mit der Zahl der Vorstellungen im Schauspiel (361 / 344) ist.

Anteil Sonstige Veranstaltungen an Vorstellungen im Schauspiel
Das ist für Entwicklung der Zahlen im Vergleich zu Gesamtdeutschland sehr untypisch, dort sind die Verhältnisse deutlich anders, wie meine interaktive Grafik zur Entwicklung der Besuchszahlen (hier ab 1991/92; Summenangabe und %-Werte zeigen die Summe beider Sparten) zeigt:

Hier: Schauspiel und Sonstige Veranstaltungen
Copyright: Rainer Glaap
Vollständige interaktive Grafik: https://publikumsschwund.com/2026/06/12/theaterbesuche-seit-1991-92-interaktive-grafik/
Die Münchner Kammerspiele haben also deutlich andere Schwerpunkte als das „reine“ Schauspiel. Man darf gespannt sein, wie sich das Angebot bis zum Ende der Intendanz von Barbara Mundel weiterentwickelt und was danach kommen wird.
Quellen
Glaap, Rainer: Münchner Kammerspiele: die Besuchszahlen, 25.7.2026
Glaap, Rainer: Theaterbesuche seit 1991/92 (interaktive Grafik), 12.6.2026
Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins, verschiedene Jahrgänge
*1) Der Deutsche Bühnenverein schreibt zum „theaternahen Rahmenprogramm“:
„Hierzu gehören Einführungsveranstaltungen, Angebote für Lehrer:innen, Theaterführungen sowie andere Angebote, die der Vermittlung dienen und für die kein oder nur ein geringes Entgelt vereinnahmt werden. Die Zahlen werden nur nachrichtlich angegeben, d.h. Veranstaltungen dieser Art werden bei der Berechnung der Verhältniszahlen (Kapitel 1.8) nicht berücksichtigt.“ (Theaterstatistik 2023/24)
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