in Publikumsschwund

Theaterstatistik Österreich: beim zuständigen Minister und Vizekanzler Andreas Babler nachgefragt

Theaterstatistik Österreich: Besuchszahlen 1970/71 bis 2023/24
Interaktive Grafik aus meinem Blogbeitrag

Fabian Burstein hatte mich 2025 in seinen Podcast “Bühneneingang” eingeladen, um über die Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins (DBV) zu sprechen, die damals gerade frisch erschienen war mit den Daten der Theater für die Spielzeit 2022/23. Seit 1970 berichtet der DBV in Kurzform über die öffentlich geförderten Theater in Österreich und der Schweiz.

Im März 2026 ist die neue Ausgabe der Theaterstatistik veröffentlicht worden für den Berichtszeitraum 2023/24.

Ich habe diverse Statistiken mit den neuesten Zahlen nachgearbeitet, erstmals mit interaktiven Grafiken (Links s.u.). Fabian fragte nach einem Update auch zu den österreichischen Zahlen. Die Erkenntnisse aus diesem Update haben wir im Podcast im Podcast #92 besprochen.

Im Nachgang zu unserem Gespräch hat Fabian einige Fragen an Andreas Babler gestellt, den zuständigen Minister für Kultur und Vizekanzler der österreichischen Bundesregierung.

Die Fragen wurden erstaunlich schnell beantwortet. Fabian dazu in seinem Podcast:

Die Antworten stammen, wie das bei einer Beantwortung im Ministerium üblich ist, von einem Sprecher des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport bzw. des Vizekanzlers und sind als solche zitabel.

Im Folgenden zitiere ich alle Fragen von Fabian Burstein an den Kulturminister, die Antworten finden sich im Podcast #92 (und aufallen gängigen Plattformen).


Frage 1:

Sind Ihnen als zuständiger Minister für Kunst und Kultur die Ergebnisse der Theaterstatistik 2023/24 des Deutschen Bühnenvereins, insbesondere die Ergebnisse für Österreich bekannt? Und wenn ja, was sagen Sie zu den Ergebnissen?

Frage 2:

Gibt es interne Maßnahmen des Ministeriums, die jenseits der einzelnen Geschäftsberichte eine strukturierte österreichweite Aufarbeitung statistischer Daten, Besuche, Betriebszuschüsse etc. im Theaterbereich zum Ziel haben? Und wenn ja, werden die daraus resultierenden Ergebnisse öffentlich zugänglich sein?

Frage 3:

Sowohl in der Theaterstatistik 2022/23 als auch in der Theaterstatistik 2023/24 gab es laut des Berichts des Bühnenvereins Probleme mit Datenmeldungen aus der Bundestheater-Holding. In der Theaterstatistik für 22/23 fehlten die kompletten Zahlen für das Burgtheater. In 23/24 wurden für die Volksoper nur 2.647 Besuche angegeben. Diese Zahl ist offensichtlich nicht korrekt. Wie stellt

die Republik Österreich als Eigentümerin der Bundestheater-Holding sicher, dass ihr Theaterkonzern gerade in der sensiblen Postcovid-Ära nicht von neuralgischen Datenerkenntnissen abgeschnitten ist?

Frage 4:

Die vorliegenden Auswertungen der Theaterstatistik 2023/24 offenbaren negative Entwicklungen im österreichischen Theatersegment. Die Sparten Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, Oper und Tanz weisen gegenüber 2022 einen Rückgang der Besuche auf. Der Abstand zur letzten Vorcovidsaison 2018/19 hat sich damit wieder vergrößert. Lediglich dank der sehr starken Operettensparte ergibt sich gegenüber 2022/23 ein minimales Gesamtwachstum bei den Besuchen von 3,3%.Die Zahlen von 2018/19 liegen insgesamt nach wie vor außer Reichweite. Können Sie diese Entwicklung anhand der Ihnen vorliegenden Daten, z.B. aus Aufsichtsgremien, bestätigen? Wenn nein, auf welche Zahlen stützt sich ihr Ministerium und sind diese öffentlich zugänglich?

Frage 5:

Das Kulturressort veröffentlichte im Mai 2023 eine Publikumsstudie. Im Zuge der Präsentation hieß es: 

Glücklicherweise bestätigen die nun vorliegenden Zahlen die oft kolportierten Hiobsbotschaften nicht. Und im Herbst war vielfach, nämlich im Herbst 2022, von einer großen Publikumskrise die Rede. Es wurde behauptet, 50% sei das neue “ausverkauft”. Wir wollten diesen anekdotischen Befunden Zahlen entgegensetzen.

Erstens, wie stehen Sie zu dieser Studie und zweitens, wird diese Studie zeitnah erweitert, um faktischen Entwicklungen gerecht zu werden? 

Frage 6:

Die inflationsbereinigte Gegenüberstellung der Subventionen und Betriebseinnahmen in Österreich seit 1970 zeichnet insgesamt ein in der Höhe stabiles Bild der öffentlichen Theaterfinanzierung bei

sinkenden Besuchszahlen. Welche kulturpolitischen Maßnahmen setzt die österreichische Bundesregierung ein insbesondere im Hinblick auf das geplante Doppelbudget 2027/28, damit diese Schere nicht weiter aufgeht?

Zusatzfrage zur sechsten Frage:

Gibt es regelmäßige Gesprächsformate mit den Ländern und den zuständigen Kulturlandesräten, um eine nachhaltige Finanzierungsstrategie für die Theater sicherzustellen?


Die Antworten finden sich im Podcast, 30 Minuten, die sich lohnen. Erkenntnisgewinn? Das möge jede(r) Zuhörer(in) selbst entscheiden.

Quellen

Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins
Glaap, Rainer: Publikumsschwund? Ein Blick in die Theaterstatistik seit 1949, Springer, 2024

Interaktive Online-Grafiken zur Theaterstatistik bis 2023/24

Theaterstatistik BRD

Theaterstatistik AT


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