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Theaterstatistik Österreich: Subventionen und Betriebseinnahmen (inflationsbereinigt) seit 1970

Die folgenden Daten beschäftigen sich mit den Subventionen und Betriebseinnahmen der österreichischen Theater von 1970 bis 2023. Der Blogbeitrag zu den Besuchszahlen bis 2023/24 findet sich hier.

Datenbeschaffung via Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins:

  • Die Daten wurden per Scan und GEMINI in in das CSV-Format konvertiert und in Excel eingelesen. Die Ergebnisse wurden mit dem Original verglichen, wo Summenspalten oder -zeilen existierten, wurde diese mit eigenen Berechnungn überprüft.
  • Danach wurden die Daten für die Jahre 1970, 1980, 1990 und 2000 von Schilling in Euro konvertiert.
  • In den Jahren bis mind. 2010 wurde nur eine Gesamtsumme von Subventionen und Betriebseinnahmen angegeben (s.u.), ohne die Betriebseinnahme gesondert auszuweisen (dafür gab es eine eigene Tabelle). In späteren Jahren wurden die Betriebseinnahmen in einer gesonderten Spalte ausgewiesen. Für die bessere Vergleichbarkeit wurde daher für die Jahre bis 2010 die Betriebseinnahme errechnet mit der Formel: Spalte 8 („Betriebseinnahmen u. Subvent. usw. insgesamt“) – Spalte 6 (Subvent. u. Zuwend., Deckung des Betriebsabganges zus. (Sp. 1-5)) = Betriebseinnahme
  • Die (geringfügigen) Billetsteuern wurden für die Jahre 1970 und 1980 von den Subventionen und Zuwendungen als Kosten von mir abgezogen. Sie wurden 1986 abgeschaff (im Landesgesetzblatt für Wien vom November 1987 kommen Theater und Opern im Vergnügungssteuergesetz nicht mehr vor).
  • Dann wurden alle Daten anhand des Verbraucherpreisindexes VPI des österreichischen Statistikamtes transformiert, damit die Daten im Vergleich mit der heutigen Kaufkraft beurteilen werden können.
  • Achtung: lt. einer Anmerkung des Bühnenvereins setzt sich die Summe der Subventionen nicht immer aus den vorherigen Spalten zusammen, daher kann es leichte Abweichungen in der Linie Subventionsn zu den eingeschalteten Balken ergeben
  • Die Tabelle unter der Grafik zeigt die jeweilige Auswahl an.
Auszug aus der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins, 1970, S. 56

Theaterstatistik: Subventionen und Betriebseinnahmen im Jahresvergleich seit 1970 (interaktive Grafik)

Die x-Achse der Grafik zeigt die Jahre. Die Daten 2019 und 2020 wurden weggelassen, weil sie wegen der vielen Lockdowns und Sonderregelungen während der Pandemie keine Aussagekraft über die tatsächliche zeitliche Entwicklung haben. 2023 ist das letzte Jahr, für das Daten vorliegen (Quelle: die kürzlich erschienene Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für 2023/24, s.u.).

Die Buttons fungieren als Schalter und schalten z.B. alle Werte an/aus, die beiden Linien an/aus und die Anzeige der Zahlenwerte an sich und der Anteile in % an Gesamt an/aus.

Die Checkboxen ermöglichen die Auswahl der einzelnen Subventionsgeber bzw. Zuwendungen. Die Lotterieeinnahmen sind teils sehr niedrig, können aber angezeigt werden. Die Billettsteuer, die in 1970 und 1980 noch abgeführt werden musste (1986 abgeschafft für die Theater durch eine Gesetzesnovellierung bei der Vergnügungssteuer), wurde weggelassen, weil die Beträge vergleichsweise gering waren und für den Gesamtüberblick keine Rolle spielen.

Die obigen Zahlen beziehen sich auf die Summe der Subventionen für alle öffentlich geförderten Einrichtungen laut Theaterstatistik.

Betrachtung einzelner Städte und/oder Theater (interaktive Excel-Grafik)

Die folgende interaktive Excel-Tabelle erlaubt den Zoom in die Details. Hier können sowohl die Daten für ganze Städte als auch für einzelne Theater angefragt werden. Die Bedienung ist etwas hakelig, bei der Neuzeichnung der Grafik nach einer Änderung in der Auswahl kann es ein paar Sekunden dauern, bis der Bildschirm refreshed ist.

Nicht für alle Theater lassen sich alle Perioden anzeigen, das Raimund-Theater in Wien ist z.B. nur für 1970/1980 separat erfasst. In 1970 wurden die Bundestheater unter den Buchstaben A-E zusammengefasst, einzelne Zuordnungen sind nicht möglich.

Sollte die Grafik etwas zu groß sein, kann man sie per Zoom (z.B. mit dem Mausrad) verkleinern. Diese Darstellung eignet sich eher für Desktop-Rechner und nicht so sehr für mobile Bildschirme (alternativ kann man unten rechts unter der Grafik auf einen kleinen Button klicken, dann wird die Arbeitsmappe in voller Größe angezeigt).

Erkenntnisse

Ausführliche Zahlen zu Österreichs Theatern wurden in der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins erstmals für die Spielzeit 1969/70 veröffentlicht (s. Vorwort dieser Ausgabe, S. 53). Für unsere Betrachtung nehmen wir die Spielzeit 1970 als Ausgangsjahr (bzw. das Rechnungsjahr, wie dort angegeben).


Von 1970 zu 1980 gibt es einen Zuwachs von fast 50%, im Folgejahrzehnt um weitere 23%. Danach ist erkennbar, dass inflationsbereinigt die Zuwächse nur noch sehr moderat sind und in den Corona-Krisenjahren 2021 und 2022 sogar abnehmen. 2023 wird diese Abnahme aber mehr als wettgemacht.


Wenn man dazu aber die rote Linie anschaut, die die Abweichung der Jahre jeweils zu 1970 als Basis berechnet, wird klar, dass die Bandbreite der Zuwendungen relativ stabil ist und sich grob zwischen ca. 80% und 90% im Vergleich zu 1970 bewegt mit Ausnahme der beiden Pandemiejahre.

Theaterstatistik Österreich: Abweichung in % von der Vorperiode und von 1970; (c) Rainer Glaap 2026

Auffällig ist, dass sich von 2000 bis 2018 die Zuwendungen nur minimal erhöhen, die Theater also in einer stabilen Lage waren: kein Wachstum, aber auch keine massiven Einschränkungen.

Wie sich die Anteile im Subventionsmix verändern, lässt sich in der interaktiven Grafik unten erkennen. Wählt man z.B. nur den Bund aus, sieht man, wie die Subventionen bis 2018 kontinuierlich abnehmen, während die Subventionen der Bundesländer bis 2021 kontinuierlich steigen, um dann wieder leicht abzunehmen.


Die Finanzierung durch die Gemeinden spielt eine untergeordnete Rolle und liegt im Schnitt um die 10%. Die Finanzierung durch andere Gemeinden und Lotterieeinnahmen etc. spielt keine Rolle.

Erläuterung zu den Daten

Die Daten wurden mehrfach von mir überprüft, für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich keine Haftung übernehmen.

Die interaktive erste Grafik wurde mit Hilfe von Gemini und Claude (in vielen Iterationen) erstellt. Die zweite Grafik wurde in wesentlich kürzerer Zeit vom Autor ohne Hilfe einer KI direkt in Excel erstellt.

Verbraucherpreisindex VPI (Ermittlung für die Inflationsbereinigung)

Zur Ermittlung der Verbraucherpreisindizes (VP) wurden diese beiden Webseiten herangezogen:

Die folgende Tabelle zeigt die Faktoren für die Transformation der Euro-Zahlen (inkl. der konvertierten Schillinge von 1970-2000):

Quellen

Theaterstatistik AT: Werkstattbericht Vibe Coding

Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins
Glaap, Rainer: Publikumsschwund? Ein Blick in die Theaterstatistik seit 1949, Springer, 2024

Weitere interaktive Online-Grafiken

Theaterstatistik BRD: Besuchsdaten BRD / DDR
Theaterstatistik BRD: Vertriebsarten (Tageskarten, Abos, Besucherorganisationen, Frei- und Gebührenkarten etc.)
Theaterstatistik BRD: Besuche nach Sparten
Theaterstatistik BRD: Betriebszuschuss pro Bundesland seit 2000/01
Theaterstatistik BRD: Metropolregion Nordwest (Bremen, Oldenburg, Bremerhaven)
Theaterstatistik BRD: Personal

Theaterstatistik AT: Besuche & Abweichungen in %
Theaterstatistik AT: Subventionen u. Betriebseinnahmen (inflationsbereinigt)


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