
Das Unternehmen fever, das nach eigener Auskauft die sogenannten Candlelight-Konzerte in mehr als 100 Städten veranstaltet (in Bremen u.a. im Himmelssaal und im Sendesaal), hat eine Studie erstellen lassen zum weltweiten Konsum klassischer Musik.

Ziele der Studie:
- Wer besucht klassische Konzerte?
- Was motiviert Menschen zum Besuch?
- Was hält Menschen vom Besuch ab?
- Mit welchen Erlebnissen können Menschen für den Besuch gewonnen werden?
Befragt wurden 8.000 Menschen in 10 Ländern: Australien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Mexiko, Spanien, Großbritannien und den USA.
Anmerkung: Der Begriff „klassische Musik“ wird in der Studie nicht definiert. Fever veranstaltet zahlreiche Konzerte mit Musik von Adele, den Beatles, Coldplay, Hans Zimmer u.a., die von Streichquartetten im Kerzenlicht (LEDs) gespielt werden. Aufgrund der Besetzung werden diese Konzerte von den Besucher:innen möglicherweise als „klassisch“ interpretiert.
Die fünf Schlüsselerkenntnisse aus der Studie:
- Gen Z und Millenials haben im vergangenen Jahr mehr Konzerte besucht als die älteren Generationen
- Das jüngere Publikum informiert sich (vor allem in Lateinamerika) stark über Social Media, während ältere Generationen sich auf traditionelle Medien verlassen
- Fast die Hälfte aller Befragten hat eine persönliche Verbindung zu klassischer Musik und viele besuchen Konzerte mit anderen Menschen gemeinsam
- Zugangsprobleme existieren: Trotz starken Interesses ist nicht überall Zugang zu Konzerten möglich (Nähe, Kosten, vermeintlich exklusives Ambiente)
- Das Publikum erwartet mehr Events, genre-übergreifende Veranstaltungen und frische Herangehensweisen für neue Erfahrungen mit klassischer Musik
Um die 75% der Befragten gaben an, klassische Musik regelmäßig oder gelegentlich. 10% beschreiben sich selbst als treue Anhänger, an der Spitze Australien mit 16%, Deutschland liegt mit 8% eher am unteren Ende der Skala.

Mehr als die Hälfte der Befragten hat ausgesagt, dass sie mindestens einmal in ihrem Leben ein klassisches Konzert besucht haben.

Empfehlungen (word of mouth) sorgen in fast allen Ländern und in fast allen Altersgruppen für Besuche klassischer Konzerte (ca. 50%). In der jüngsten Zielgruppe (18-44 Jahre) liegt der Wert bei Social Media mit 61% deutlich höher. Bei dieser Altersgruppe liegen Zeitungen und Zeitschriften mit 24% am niedrigsten, bei der Altersgruppe 55+ am höchsten mit 36%. Poster, Flyer und Anzeigen liegen über alle Altersgruppen etwa bei 35%, ähnlich wie Radiowerbung oder die Kommunikation der Anbieter selbst.

Am erstaunlichsten ist die Erkenntnis, wer wie viele klassische Konzerte im letzten Jahr besucht hat. Die Zahlen decken sich nicht mit typischen (Nicht)Besucherstudien. Gen X und Boomer haben die wenigsten Konzerte im letzten Jahr besucht, die 18-44 jährigen die meisten. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind teils erheblich, in Australien haben lt. Studie 63% der 18-44 jährigen 3 oder mehr Konzerte besucht, in Deutschland nur 35%. In den USA und Kanada liegen die Werte der über 55-jährigen bei 41 bzw. 46%, möglicherweise wegen der dünnen Besiedlung.

Hauptgründe für den Nicht-Besuch sind mangelndes Interesse und fehlende Gelegenheiten für einen Besuch in der Nähe. Weniger genannt werden zu teure Tickets (um die 25%), mangelnde Kenntnisse der klassischen Musik, zu förmliche Settings (10-15%) und fehlende Begleitung (7-16%).
Befragt nach den bevorzugten Konzertformaten werden am häufigsten genannt: visuelle Effekte (24-27%), Genre-Mischungen (18-30%) und unkonventionelle Konzertorte (14-30%). Interaktive Konzerte stoßen auf wenig Gegenliebe.

Das Fazit aus der Studie:
Everything suggests that the future of classical music will depend not only on what is heard, but on what is experienced when it is felt.
Quelle:
Download der Studie als PDF: https://candlelightexperience.com/classical-pulse-2026/ (Registrierung erforderlich)
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