
Foto: Rainer Glaap
Großbritannien galt lange als das Mekka des kostenfreien Museumsbesuchs. Die angespannte Finanzlage wird hier wohl Änderungen erzwingen, schreibt der britische Guardian:
The UK is an outlier among leading cultural nations in not charging at the door. France’s Louvre charges £28 for entry, Spain’s Prado £13, the US’s Museum of Modern Art £22, and the Vatican Museums £17.
…
They include Nick Merriman, the former leader of the Horniman Museum & Gardens and English Heritage, who told the Daily Telegraph last week that while free entry had driven up visitor numbers, it had done little to diversify audiences. “You just get more middle-class people going,” he said. “In principle, why not charge? Most people, for the national museums, are willing to pay.”
While national museums remain free for now, many regional and independent institutions have already begun charging where entry was once free, including the Kettle’s Yard in Cambridge. Oxford city council also voted to introduce a £4 standard fee to visit the Museum of Oxford.
Es ist noch keine 4 Wochen her, dass Hanno Rautenberg in der Zeit von den goldenen Zeiten in Großbritannien schwärmte (übrigens vollständig die Forschungslage ignorierend):
In England ist es anders. Dort gibt es tatsächlich dieses Gefühl: Die Kunst ist unser. Allen stehen die staatlichen Museen offen, und der freie Eintritt gilt fast schon als Naturgesetz. Dabei gibt es ihn für viele Häuser seit gerade mal 25 Jahren. Premierminister Tony Blair hatte sich einst dafür starkgemacht, gegen viele Widerstände, nur für Sonderschauen sollten noch Tickets verkauft werden. Der Gratiszugang, eine politische Tat. Und damals ein Schock für die Kunsthäuser. Ihre Türen standen auf, die Einnahmen waren weg.
Heute hingegen sind die meisten grundzufrieden. Denn ohne Eintrittsgeld wächst die allgemeine Neugier, wie eine große Metastudie bestätigt. Oft vervielfacht sich der Zuspruch in den Museen, sobald am Eingang kein Geld mehr kassiert wird. Und obwohl das Anfangsglück rasch verfliegt, steigt die Zahl der Besuche meist deutlich und dauerhaft. In Essen erlebte man sogar eine fast biblische Vermehrungsgeschichte: 2015 waren 40.000 Menschen in die ständige Sammlung gekommen, im vorigen Jahr fast 160.000.
Entsprechende Untersuchungen weisen darauf hin, das bei kostenfreiem Eintritt die gleichen Menschen kommen wie sonst auch, nur öfter… (s. dazu die Studie von Tibor Kliment).
Quellen:
https://www.theguardian.com/culture/2026/feb/21/uk-golden-era-free-museum-entry-end-national-gallery
https://www.zeit.de/2026/04/eintritt-museen-kosten-ticketpreise-kunst
Kliment, Tibor: Der freie Eintritt im
Museum: Auswirkungen auf die Publikumsgewinnung, Einnahmen und umgebenden Museen im Kontext des Humboldt Forum Berlin (PDF)
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